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Eine Zeitreise durch die Entstehungsgeschichte der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie.

1767 – 1867

Am 6. April 1767 erteilen Markgraf Karl Friedrich und Markgräfin Karoline Luise von Baden dem Franzosen Autran das Privileg zur Eröffnung einer Uhrenmanufaktur im Pforzheimer Waisen- und Siechenhaus.

Am 20. August 1767 folgt die Gründung der Schmuck – und Stahlwarenfabrik und 1768 beginnt schließlich die Herstellung von Schmuck.

Im Waisenhaus wird am 28. Juni 1768 eine Zeichenschule eingerichtet und am 12. September 1768 gibt es dort von Emailmaler Melchior Andreas Kössler den ersten Berufsschulunterricht der Welt.

1777 existieren bereits 21 Unternehmen zur Schmuck – und Uhrenherstellung in Pforzheim.

1833 erfolgt die Gründung der Gewerbeschule.

Die Anzahl der Betriebe der Schmuckherstellung steigt vom Jahr 1858 von 42 Betrieben auf 190 Betriebe im Jahr 1864.

  • Karl Friedrich von Baden, Copyright Haus Baden
  • Karoline von Baden, Copyright Haus Baden
  • Uhrwerk aus dem späteren 18. Jahrhundert
  • Historisches Glasfenster im Rathaussaal des Malers Fritz Geiges. Quelle: „Rückblick über die Entwicklung des Städtischen Hochbauwesen der Stadt Pforzheim“ (1919)
  • Pforzheim um 1643, Stich von Matthäus Merian. Quelle: Stadtarchiv
  • Waisenhausplatz um 1856, Lithographie von F. M. Reichel. Quelle: Stadtarchiv
  • Armband der Fa. Benckiser um 1860

1867 – 1944

1853 erhält Pforzheim eine Strom – und Gasversorgung, was die Mechanisierung und Industrialisierung vorantreibt. Es entstehen Berufe wie Guillocheur, Zurichter, Presser.

1875 beginnt die Entwicklung der Doubléschmuck- Fabrikation, in Pforzheim entstehen große, später bedeutende Doublé Fabriken. Die Industrie spezialisiert sich schließlich; Scheideanstalten, Goldfärbeanstalten, Guillocheur- und Fasserbetriebe, Chatons- und Etuisfabriken und Doubléherstellung werden selbstständige Betriebe.

1877 wird der Kunst- und Kunstgewerbeverein in Pforzheim gegründet.

Am 2. Juli 1877 folgt darauf die Gründung der Kunstgewerbeschule („Fachschule für die Edelmetallindustrie der Stadt und selbstständige städtische Anstalt neben der Gewerbeschule“)

1887 kam Georg Kleemann (1863 – 1932) als Lehrer an die Schule, er war einer der bekanntesten und besten Entwerfer für Schmuck im Jugendstil um die Jahrhundertwende.

1900 sind erstmals Pforzheimer Schmuckfabriken (wie z.B. F. Zerrenner) auf der Weltausstellung in Paris vertreten.

Die „Ständige Musterausstellung“ im Industriehaus wird 1914 eröffnet, heute findet man dort die Schmuckwelten.

1919 gibt es die ersten Lehrlinge der „Uhrmacherabteilung“ an der Gewerbeschule Pforzheim.

Von 1930 – 1933 werden die Uhrwerke nicht mehr importiert, sondern in der ersten Rohwerkeindustrie in Pforzheim selbst hergestellt. Bedingt durch den zweiten Weltkrieg wird in rund 80 Pforzheimer Fabriken die Herstellung von Schmuck und Uhren durch die Herstellung kriegsnotweniger Teile ersetzt.

  • Anhänger der Fa. Wehrle & Co um 1884
  • Zeugnis der Kunstgewerbeschule von Victor Mayer aus dem Jahr 1889
  • Ehemaliges Fabrikgebäude der Kollmar & Jourdan AG, erbaut von 1901 bis 1910
  • Olympia-Brosche von Victor Mayer von 1936
  • Goldschmiedelehrlinge um 1939. Quelle: Stadtarchiv; Foto: Otto Kropf
  • Lehrwerkstadt mit Goldschmiedelehrlingen um 1939. Quelle: Stadtarchiv; Foto: Otto Kropf

1945 – 1966

Am 23. Februar 1945 wird die Stadt Pforzheim innerhalb von 22 Minuten im Zuge des zweiten Weltkriegs fast vollkommen zerstört. In den Jahren danach folgt der mühsame Wiederaufbau. Der Optimismus der Pforzheimer und das „Pulsierende Leben in der Trümmerstadt“ ziehen erneut Menschen nach Pforzheim und bis 1960 leben wieder gut 80.000 Menschen in Pforzheim.

31 Pforzheimer Unternehmer gründen am 31. Juni 1947 den Fachverband der „Schmuckwarenindustrie, der Edel – und Unedelmetalle – sowie verwandter Industrien“.

Im Jahr 1950 übernimmt Pforzheim wieder die führende Position in der Schmuck – und Uhrenherstellung in Deutschland. Versandhäuser wie Klingel, Wenz oder Bader können mit Hilfe der Schmuckindustrie zu großen Unternehmen aufsteigen.

1961 wird die „Internationale Vereinigung Schmuck, Silberwaren, Diamanten, Perlen & Steine“ gegründet.

  • Beitrittserklärung von Victor Mayer zum Schmuckwarenindustrieverband der Edel– und Unedelmetalle – sowie verwandter Industrien
  • Reuchlinhaus, erbaut zwischen 1957 und 1961, heutiger Standort des Schmuckmuseums Pforzheim

1967 – 2017

1967 feiert die Schmuck – und Uhrenindustrie der Stadt Pforzheim ihr 200- jähriges Jubiläum. Seit rund 100 Jahren entstehen neue Branchen aus der Schmuckindustrie.

Am 18. Januar 1973 wird die Abteilung „Uhren und Zeitmesstechnik“ an die Goldschmiedeschule verlegt.

1975 überschreitet Pforzheim mit der Einwohnerzahl die 100.000-Marke und wird damit zur Großstadt.

Am 1. Januar 1999 fusionieren die beiden deutschen Branchenverbände VDU (Verband der deutschen Uhrenindustrie) und VDSI (Verband der deutschen Schmuck- und Silberwarenindustrie) zum „Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e. V. Pforzheim“, kurz „BV Schmuck+Uhren“ genannt.

Aus der Tradition der Schmuck- und Uhrenindustrie sind in den letzten Jahren moderne Präzisions-, Medizin- und Stanztechnologien entstanden. Ehemals als Uhren- oder Schmuckfirmen gegründete Unternehmen sind inzwischen erfolgreich in vielfältigen Bereichen der metallverarbeitenden Präzisionstechnik vertreten.

An der Hochschule Pforzheim entwickeln kreative Köpfe neue Ideen für Design, geben futuristischen Fahrzeugen Gestalt, kreieren moderne Gebrauchsgegenstände, entwerfen Kleider und Schmuck. Im EMMA Kreativzentrum Pforzheim arbeiten Stipendiaten und junge Designer aus aller Welt.

Aufstrebende Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie machen Pforzheim zu einem IT-Standort, der insbesondere auf dem Gebiet innovativer Software und Anwenderlösungen wichtige Nischen besetzt hat.

2017 feiert die Stadt Pforzheim das 250 - jährige Jubiläum der Schmuck – und Uhrenindustrie.

  • Collier von Wellendorff
  • Rohre von C.HAFNER
  • Ringe von Jasmina Jovy Jewellery
  • Stowa Antea Herrenuhr
  • Kunststoff-Metall-Verbundteil von Kramski